Home Deckel (Æ-Platte) - Die Plejaden und der Jahreszyklus

Die Monate im Lauf des Sonnenjahres

s-Rune Sigel semannum symble biþ on hihte,
ðonne hi hine feriaþ ofer fisces beþ,
oþ hi brimhengest bringeþ to lande.

s-Rune Sonne ist immer eine Freude der Seefahrer
wenn sie über das Bad der Fische reisen,
bis das Gefährt über die Tiefe sie an Land bringt.

Sterne über Yggdrasil

Nachdem wir nun über die 10 Sonnen- bzw. Mondjahre nebst Meton-Zyklus hinaus die vier Jahreszeiten sowie die Wochentage entdeckt haben, liegt es nahe, nach den 12 Monaten des Jahres zu suchen. Wie dargelegt, scheint die Rosette des Magierbildes mit ihren 13 Strahlen auf ein lunares Jahr hinzuweisen.1 Hier nun, auf dem Deckel, mag eine (goldene?) Scheibe mit 12 Strahlen als Abbild der Sonne verschraubt gewesen sein. Das allein wäre recht spekulativ. Da es hier aber 12 „Punktmarken“ gibt – 5 bei Ægil, 3 bzw. 2 mit den beiden nackten Gestalten und 2 weitere zwischen den Füßen des Riesen mit Helm und Speer – wird diese Annahme wahrscheinlicher. Wenn wir nun die Punktmarken als Stellvertreter für Runen ansehen, erreichen wir die 12te Rune des fuþark/fuþorc, j-Rune Y (ger, Jahr), was genau in diesen Kontext passt. Für das Mondjahr wäre es die 13te Rune, wenn man das fuþark von hinten nach vorne liest.

Wir setzen nun diese 12 Punktmarken mit den 12 Monaten des Jahres gleich und beginnen mit den zwei Punkten zwischen den Füßen des Riesen mit Schild und Helm. Das runenähnliche Symbol I-Rune, die Eibenrune, steht für den Kreislauf von Leben, Tod und Wiedergeburt.2 So gesehen kennzeichnen die beiden Punktmarken den letzten Monat des alten bzw. den ersten Monat des neuen Jahres, (also Wintersonnenwende) als Tod und Auferstehung des Lichts (Jul). Es sind die Monate Ærra Geola (Vor-Jul) und Æfterra Geola (Nach-Jul). Da die Jahreswende sich an dem Tiefststand der Sonne orientiert, sind die letzten Dezembertage dem Neuen Jahr zuzurechnen. Dementsprechend verschieben sich alle Folgemonate. Der Stand der Sonne am Jahresende liefert somit den Stoff für das Sterben und Auferstehen der Gottheit des Lichts, hier wohl die Sonne selbst.3.
Den vier Protagonisten (Markzeichen des Sonnenlaufs) folgend, setzt sich die Handlung rechtsläufig mit dem unbekleideten Schildträger oberhalb der Scheibe fort. Die drei ihm zugeordneten Punktmarken stehen dann für Solmonað, Hreþmonað und , zwei Monate Eostremonað (Februar, März und April), die über das Äquinoktium (Tag-und-Nachtgleiche) zum Frühling führen. Von praktischem, d.h. landwirtschaftlichem Interesse ist der Umstand, dass hier die Zeit der harten Fröste endet.

Der nächste Monat, Ðrimilcemonað (April/Mai), ist Ægil zugeordnet und führt zur Sommersonnenwende, Liþa. Wie bei Geol, so unterscheiden wir auch hier den Monat davor und den danach als Ærre and Æfterra Liþa (6ter und 7ter Monat). Wie bei seinem Gegenüber, dem Riesen, so könnte die Punktmarke zwischen seinen Füßen für die Sonnenwende stehen. Nach dem 8ten Monat, Weodmonað (August) folgt der letzte an Egil gebundene Monat, Haligmonað. Entsprechend dem Monatswechsel um den 20sten, endet auch dieser Monat vor der Herbst-Tag-und-Nachtgleiche, die dann dem Schildträger zuzuordnen ist.
Mit dem letzten der fünf an Ægil gebundenen Monate endet der Sommer (April/Mai bis August/September), die Zeit zwischen den Sonnenwenden. Wenn der Bogenschütze sich so als Verteidiger der Sonne erweist, dann bekommen die Elemente der Festungsanlage, verstanden als ineinander gefügte S-Runen s-Runes-Runes-Runes-Rune (gleich Sonne, Licht, Leben) einen tieferen Sinn. Es wäre das Reich der Sonne, des Lebens und der Wiedergeburt. Damit bewegt sich diese Deutung auf der Ebene von Odin als Sonnengott und Walhall als Ort der Auferstehung.

Die Herbst-Tag-und-Nachtgleiche kommt um den 21. des 9ten Monats, der in Winterfylleð übergeht, welcher dem unbekleideten Krieger unterhalb der Scheibe zugeordnet ist. Dieser Monat stellt nach Beda den Anfang des Winterhalbjahrs dar4 Dem folgt als 11ter und letzter Monat vor Geol der Blotmonað, so genannt nach der großen Winterschlachtung.


Abb. 2: Der Jahreszyklus nach dem Deckelbild

Der Zyklus endet mit dem 12ten Monat (Ærra Geola), der Geol (Jul) einleitet und somit zum Reich der beiden Riesen gehört. Zusammen mit dem ersten Monat (Æfterra Geola) des neuen Jahres, das mit Mōdraniht (Mütternacht) beginnt, symbolisiert dieses Duo Tod und Wiedergeburt der Sonne, ähnlich der Vorstellung vom “ Dies Natalis Solis Invicti ”, dem Geburtstag der ‚Unbesiegten Sonne’. Folgerichtig heißt der Februar als erster Monat nach Geol „Solmonað“ (Sonnenmonat). Sollte das germanische Jahr, wie Tacitus (Germania, 26) berichtet, tatsächlich nur 3 Jahreszeiten kennen, dann würde das Neue Jahr (Frühling) mit eben diesem Monat beginnen. Der Sommer setzt in dieser Ordnung mit dem Ðrimilcemonað, während der Winter als dritte Saison mit Winterfylleð, dem ersten Wintermonat einsetzt und mit dem Blotmonað endet, dessen Name – obwohl vermutlich von der Herbstschlachtung her kommend – in die Richtung Tod bzw. sterbende Sonne deutet.
Wenn die beiden Geol-Monate keine vierte Jahreszeit darstellen, müssten sie zum Teil Frühjahr und Winter zugerechnet werden.
Mit der Wiedergeburt der Sonne führt sie ihr Kreislauf von Geol über die Frühjahrs-Tagundnachtgleiche zu Liþa, der Sommersonnenwende, und von da über die Tagundnachtgleiche des Herbstes wieder ihrem scheinbaren Tod, an Geol entgegen. Dieser Zyklus wird durch gegensätzliche Kräfte in Balance gehalten. Wenn die Verteidigung versagt und die Sonne erlischt, dann bricht das Chaos an. Ragnarök!


Abb. 3: Franks Casket: Deckelbild
Mit Blick auf das Deckelbild erkennen wir nun in den Protagonisten jene Riesen und Götter, die um die Sonne streiten, die einst hier als (goldene?) Scheibe im Zentrum des Geschehens stand. Da die beiden Geol-Monate die Wintersonnenwende rahmen, stehen sie symbolisch für Tod und Wiedergeburt. Hier nun versinnbildlicht der Riese mit den zwei Punktmarken und dem Eibensymbol I-Rune zwischen Füßen den Vor-Jul (Ærre Geola) als letzten Monat des sterbenden Jahres, da er hinterrücks von dem Schwert des gebückt Davonlaufenden getroffen wird. Demnach wird der zweite Riese für Nach-Jul (Æfterra Geola) stehen, für den ersten Monat des Neuen Jahrs. Ihr Gegenspieler ist der Bogenschütze Ægil, der über fünf Sommermonate wacht, darunter auch die beiden Liþa-Monate, die die Sommersonnenwende rahmen. Unter dem Bogen hinter ihm können wir eine Gottheit (Woden/Odin?) vermuten, die ihm beisteht. Welche Bedeutung die sieben Pfeile haben, muß an dieser Stelle offen bleiben.
Die beiden unbekleideten Schildträger, die fünf Monate dominieren, vertreten hier für die Tag-und-Nachtgleichen (oben März, unten September). Vermutlich sind sie unbewaffnet, da sie zwischen den Fronten stehen. Aber schon diese Vermutung ist spekulativ.

Man ist versucht in diesem Zusammenhang nach Baldr Ausschau zu halten, obwohl er in der angelsächsischen Tradition – falls er je in ihr gelebt haben sollte – keine Spuren hinterlassen hat. Einer der Angreifer ist von einem Pfeil in die Brust getroffen; aber was sucht Baldur unter den Widersachern Ægils? Eine solche Deutung geht davon aus, dass wir es mit einer mythologischen Szene zu tun hätten. Wenn das Bild aber keine Szene, sondern Emblem ist, dann steht dies für den Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt, vom Auf- und Niedergang der Sonne, ein Zyklus, für dessen Stabilität die Asen eintreten. Die beiden Riesen verkörpern das Chaos, das die kosmische Ordnung bedroht. Ihnen tritt der Bogenschütze aus den Reihen der Asen entgegen. Als Emblem könnte er auch für das Sternbild stehen, welches sich in der griechischen Mythologie als Zentaur an Achill (namensähnlich dem Ægil hier) heftet.
Diesen Antagonisten an den Wendepunkten der Sonne entsprechen die Verkörperungen der Tag-und-Nachtgleichen durch die unbekleideten Krieger. Sie unterscheiden sich kaum voneinander, da sie ja in ihrer kosmischen Erscheinung, und folglich als Emblem, einander gleichen.

Asgard: Der Himmel als Schicksalslenker

Wenn nun die Runeninschriften auf den Seitenplatten nach ihrer Runenanzahl für 10 solare Jahre stehen und nach ihrem Runenwert für 10 lunare Jahre, synchronisiert und „geschaltet“ durch einen „methonischen Zyklus“, wenn die Bilder die Jahreszeiten, Monate und Wochentage widerspiegeln und das ganze Gefüge den erwünschten Lebenslauf seines königlichen Besitzers lenken soll, dann ist es nur folgerichtig, wenn über diesen irdischen Szenen – auf dem Deckel also – die kosmische Ordnung verteidigt wird, die das Schicksal (wyrd) unseres Helden lenkt. Den Inhalt der Fügung zu deuten, wäre Astrologie, wohl aber sollte sich ein Bezug der Bildelemente herstellen lassen. Da die Bilderfolge der Kästchenseiten und des Deckels, dem Lauf der Sonne entsprechend, rechtsläufig gehalten ist, sollten beide Folgen im gleichen Ablauf zu lesen sein. Dabei gehen wir von der jahreszeitlichen Bedeutung der vier Platten aus. (Siehe oben, in Vorbereitung)
Die Vorderseite mit dem Magierbild steht – wenn nicht für den Winter – für Geol und Modranect. Der Bezug ergibt sich über das Bild von Mutter und Kind. Während Christus mit Sol, der unbesiegten Sonne gleichzusetzen ist, nimmt Maria als Luna den Part der Muttergottheit (Große Mutter Erde) ein.
Die Bildelemente spiegeln Geburt (im Beisein der Fylgja) und Tod (dritter Magier, Myrrhe und Valknut) wider. Die sechs scheinbar dekorativ eingefügten Symbole in Form der Eibenrune I-Rune wandeln den Tod in Wiedergeburt. Ähnlich ist auch das Wielandbild verstehen, wobei es hier nicht um nicht um das Leid der Königskinder, sondern um die „Wiederauferstehung“ (Rückkehr zu seiner albischen Natur) des halbgöttlichen Gefangenen geht. Damit entsprechen die beiden Bilder der Vorderseite den zwei Geol-Monaten, für die sie stehen.
Diese Aussagen korrespondieren mit der Darstellung der Frostriesen, die Geol, die Zeit von Tod und Wiedergeburt bestimmen.
Anmerkung: Wieland, Christus und Maria, als die von Cäsar behauptete Trinität Vulcanus (Saturn), Sol (Sonne) und Luna (Mond), sind Namenspatrone für Saturday, Sunday/Sonntag und Monday/Montag.

Zur linken Platte gelangen wir dem Lauf der Sonne folgend. Die Darstellung von Romulus und Remus als Säuglinge bei der Wölfin (Lupa) steht für das Frühjahr. Der Gott hinter dieser Szene ist Thor, dem die Rune r-Rune für rad (Þunorrād, die Ausfahrt mit dem Donnerwagen) zuzuordnen ist. Innerhalb der bäuerlichen germanischen Gesellschaft wurde er als Vegetationsgottheit verehrt. Nach unserer Deutung beschreibt diese Seite die Vorbereitung für die Ausfahrt des jungen Kriegers, eine Entwicklung, die dem Frühjahr entspricht.
Damit ergibt sich der Bezugspunkt zum kosmischen Geschehen (Deckel), wo der sonst waffenlose Schildträger das Frühjahrs-Äquinoktium repräsentiert. Dieses junge Stadium mag seine ungeschützte Natur erklären.
Anmerkung: Thor/Donar, der Gott hinter dieser Seite, ist der Namenspatron von Thursday/ Donnerstag.

Die Rückseite schildert den Sieg des Titus, des späteren römischen Kaisers, über die Juden. Dies ist der Höhepunkt im Kriegerleben, bewaffnet im Kampf, siegreich und gerecht. Über die Rune t-Runedie Sieg und Gerechtigkeit verheißt, gelangen wir zum alten Kriegsgott Tyr, der Patron dieser Epoche ist.
Folgerichtig entspricht diesem irdischen Geschehen auf himmlischer Ebene der Schütze Ægil, der im Kreislauf des Jahres siegreich die Sonne verteidigt.
Anmerkung: Tyr/Tiw, der Gott hinter dieser Seite, ist der Namenspatron von Tuesday/Dienstag.

Die rechte Platte schließlich schildert den Tod auf dem Schlachtfeld und die durch Woden/Odin bewirkte Auferstehung nach Walhall. Die Rune h-Rune (Hagel, Verderben) führt diesen von der Walküre bereiteten Tod herbei, die Rune s-Rune wendet ihn zur Auferstehung nach Walhall. Wenn die Vorderseite an diese Thematik anknüpft, so setzt sie damit den ewigen Kreislauf fort, den die kosmische Ebene beschreibt. Woden, der Gott hinter dieser Seite, ist der Namenspatron von Wednesday.
Freyja oder Frigg, Namenspatronin für Friday/Freitag müßte auf dem Deckel zu lokalisieren sein.

So betrachtet haben die irdischen Ereignisse ihre Entsprechung in den Sternen. Da aber – neben Sonne und Mond – die Sterne den Göttern entsprechen, beugt man sich deren Willen. So heißt es zur Rune t-Rune „Tiw ist ein Leitstern, gut hält er seine Treue den Fürsten; er ist immer auf seiner Bahn über den Nebeln der Nacht, und versagt niemals.“

Der Gürtel des Orion und die Plejaden am Sternenhimmel

Entfernen wir nun alles Szenische oder Emblematische des Deckelbildes, dann bleibt eine Konstellation von Punkten rund um die Scheibe im Zentrum, die an einen Sternenhimmel – ähnlich dem auf der 2000 Jahre älteren Himmelsscheibe von Nebra – denken lässt. Es dürften jene Gestirne sein, an denen sich einfachere kalendarische Beobachtungen der Landwirtschaft und der Schifffahrt orientierten, und das sind Sternbilder, die den Beginn oder das Ende einer Jahreszeit anzeigen.


Abb. 4 (links): Deckelbild, Sternkarte
Abb. 5 (rechts): Deckelbild, Sternkarte mit Pfeilen

Um im Jahreszyklus zu bleiben, beginnen wir mit dem Segment [oben links], das auf Æfterra Geola folgt und für Solmonað (Februar) und Hreþmonað (März) steht. Hier stehen drei Sterne in einer Reihe und entsprechen damit dem Gürtel des Orion, bestehend aus den drei Sternen Mintaka, Alnilam und Alnitak in jeweils genau 10 Abstand voneinander. Der Orion gehört zu den Sternbildern des Winterhimmels und wird im Februar am Abendhimmel sichtbar um sich von dort Mitte April zu verabschieden. Und genau diese drei Monate in unserer Grafik [Abb. 2] korrespondieren mit den drei Sternen, die hier waagerecht, also so wie bei ihrem scheinbaren Untergang (das Verschwinden des Gestirns unter dem örtlichen Horizont) dargestellt sind.5 Zu dieser Deutung für den germanischen Raum um 650 AD passt zudem, dass man in den drei Sternen einen Pflugstock sah, was auf Frühjahr und Landwirtschaft hinweist. Bei den Wikingern fand sich zudem oft die Interpretation, wonach im Orion der Gott Thor zu sehen ist, der durch einen Fluss watet und den Gott Loki mittels seines Gürtels hinüber zieht. Nach dieser Deutung wäre Thor als Vegetationsgott des beginnenden Jahres zu sehen, was unserer Zuordnung des Gottes zur linken Kästchenseite als Sinnbild des Frühjahrs entspricht. In der skandinavischen Tradition war "Orions Gürtel" auch als Friggs oder auch als Freyjas Spinnrocken (friggerock) bekannt.6 Über Baldrs Mutter, Frigg, ergibt sich ein weiterer Bezug zur Sonne, die diekt neben diesem Sternbild im Zentrum des Bildes steht.

Die Häufung der Sterne dort, wo der Bogenschütze den Sommer sichert, erinnert an die Scheibe von Nebra. Dass es sich bei dem "Sternenhaufen" auf jener Himmelscheibe um die Plejaden handelt, kann man dort aus der Siebenzahl (Die 7 Schwestern) erschließen, wobei auch die Kontur von Celaeno, Electra und Merope dem Sternbild (Foto) entsprechen.
Dieser Umriss findet sich auch bei Ægils 5 Sternen, wobei wohl auch eine Schematisierung zur vereinfachten Form geführt hat. Die 2 übrigen sind im weiteren Umfeld zu suchen, da sie hier nicht zum Sommer gehören. [Der Vollständigkeit halber tragen wir noch die Pfeile nach, da sich aus ihnen - falls sich ein Archäo-Astronom der Sache annimmt - vielleicht bestimmte stellare Bewegungsabläufe rekonstruieren lassen.]

Die Annahme, es könne sich um die Plejaden handeln, wird von der Zuordnung der Monate zu den Sternen (Abb.2; Jahreszyklus) bestätigt. Der Frühaufgang der Plejaden (ein Datum, das sich verschiebt und heute im Juli liegt) fiel damals auf Ende Mai7, und mit eben diesem Monat, Ðrimilcemonað (Mai), beginnt die Sternengruppe um Ægil, während der Frühuntergang im November hier auf den Blotmonað fällt.
Mit diesem Frühaufgang fällt zeitlich die Frostperiode (die „Eisheiligen“) zusammen, was für die Landwirtschaft (Aussaat von Bohnen, Linsen etc.) von Bedeutung war. Mit den 5 Monaten, die unter dem Schirm des Bogenschützen stehen, ist die für den Ackerbau günstige Zeit umrissen. Mit Haligmonað (September) wird Erntedank verbunden gewesen sein. Die übrigen zwei „Schwestern“ sind dem nackten Krieger mit Schild zugesellt, dessen Zeit mit dem Herbst-Equinox beginnt. Ab Winterfylleð (Oktober) ist mit Nachtfrösten zurechnen, und so sind dieser und der Folgemonat Blotmonað (November) Vorboten der Frostriesen.

Für den Winterpunkt nehmen wir als Hypothese vorerst den Wendekreis des Stiers an, verzichten aber an dieser Stelle auf jegliche Festlegung. Geol, das Julfest, steht im Zentrum beider Monate, die wir als Winter bezeichnen. Unklar bleibt dennoch, ob diese Zeit nicht aus dem Jahreskreislauf heraus fällt, der nur drei Jahreszeiten kennt, so wie wir der Aufbau der Kästchenseiten nahe legt.


Abb. 6: Die 7 Plejaden auf Deckelbild und Nebra, Foto

Bei dem Versuch, die astronomische Himmelskarte mit unserer Rekonstruktion zur Deckung zu bringen, muss man zum einen den zeitlichen Abstand (Nebra vor ca. 3600 Jahren, Franks Casket vor 1400 Jahren, Karte [Foto-Negativ] heute) beachten, zum anderen die unterschiedlichen Orte der Beobachtung. Zudem versucht die Darstellung, Monate und Jahreszeiten mit den Sternen zur Deckung zu bringen, was die leicht verschobene Position von Pleione und Atlas erklären mag.

Dass die Plejaden hier im Kreislauf der Jahreszeiten auftauchen, ist nicht überraschend, denn das Siebengestirn diente in den alten Kulturen als Fixpunkt in diesem Zyklus: Ihr Frühaufgang im Mai und der Frühuntergang im November waren Signale für Feldbestellung und Schifffahrt.8

Mit Blick auf unser Bild stellen wir fest, dass der Bogenschütze fünf der sieben "Schwestern" um sich sammelt, die übrigen zwei tauchen beim Schildträger der Herbst-Tag-und-Nachtgleiche auf (unten im Bild) auf, wo sie für Winterfylleð und Blotmonað stehen. Diese Position ist mit Bedacht gewählt, da der Frühuntergang der Plejaden im November (Blotmonað) das Ende des Sommerhalbjahres anzeigt.
Die beiden (noch unbekannten) Sterne bei den beiden Riesen zeigen die beiden Geol-Monate an. Bemerkenswert dabei ist, daß so die beiden Wendemarken der Sonne zwischen die Füße der Antagonisten (Riese bzw. Ægil) gesetzt worden sind. Es scheint also, als werde hier kein Sternenhimmel zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort wiedergegeben, sondern Sternbilder, die den verschiedenen Jahreszeiten zuzuordnen sind.

Es bleibt die Frage, ob im Zentrum, passend zum Sternenhimmel, der Mond dargestellt ist, der ja tatsächlich die Plejaden quert. Da es aber hier um den Jahreskreislauf der Sonne, um ihren Tod und die Wiedergeburt geht, wird sie dargestellt sein. Wäre es so, dann könnte die aus S-Runen gestaltete Befestigung den Palast der Sonne darstellen, und die Figur unter dem quasi sakralen Bogen wäre die Sonnengottheit. Eine Antwort könnten astronomische Betrachtungen liefern.

Mit dem Deckel wölbt sich der Sternenhimmel der Asen über den Seiten des Runenkästchens, die das Schicksal des königlichen (?) Kriegers lenken sollen, die zugleich Jahre und Jahreszeiten, Monate, Wochen und Tage in diesen Zauber auf dem Weg nach Walhall einbinden.


1 13 Monate zu 28 Tagen ergeben ein lunares Jahr von 364 Tagen. Solares und lunares Jahr scheinen auch die Runenreihe zu bestimmen: Die 13te Rune vom Ende des futhark gezählt, ist j-Rune (ger, Jahr), vom Anfang gezählt ist es die 12te. Das mag die Kalenderfunktion der Runenreihe erklären.
2 Auf dem Magierbild, das auch diese Thematik (Kreislauf von Leben, Tod, Wiedergeburt, ...) darstellt, finden sich 3 dieser Zeichen ( I-Rune ) bei den Magiern und 3 weitere bei Maria und Jesus.
3 Eine Göttergestalt wie Baldur ist für England in jener Zeit nicht nachweisbar. Sol wird eine eigenständige Gottheit gewesen sein, wie es auch der Gebrauch der Rune s-Rune nahelegt. Wenn sie hier personifiziert wird, dann durch Christus als Sol Invictus auf dem Magierbild, wo er, nach Cæsar, mit seine Mutter als Luna und Wieland als Personifikation des Vulkanus zur Trias der germanischen Götter gehört.
4 ”The old English people split the year into two seasons, summer and winter, placing six months — during which the days are longer than the nights — in summer, and the other six in winter. They called the month when the winter season began Wintirfylliþ, a word composed of "winter" and "full moon", because winter began on the first full moon of that month.” (Beda Venerabilis)
5 Auf den Gürtel des Orion wiesen mich mein Netzadministrator und Dr. Harald Specht hin. Letzterer schlug auch die jetzige linksläufige Lesung der Monatsfolge vor, die sich besser zu der Gesamtdeutung fügt.
6 Schön, Ebbe. (2004). Asa-Tors hammare, Gudar och jättar i tro och tradition. Fält & Hässler, Värnamo. S. 228

7Die von Gladys Dickson herausgegebene arabische Astrologie nennt den 20. Mai für den Frühauf- und den 17. November für den Frühuntergang ; in der alten griechischen Tradition erwähnt die Geoponica (Kap. 1) die entsprechenden Daten für den 10. Juni und 4. November.
8 Die Griechen und Römer (lat. Vergiliae) betrachteten den Frühuntergang des Siebengestirns Anfang November als das Zeichen der Feldbestellung und das Ende der Schifffahrt. Mit dem Frühaufgang um den damaligen 20. Mai galten die Plejaden als Signalgeber für die beginnende Ernte. Ähnliches gilt auch für andere Kulturen. (Quelle: Wikipedia)

 

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