Home Linke Seite (R-Platte) - Die Inschrift: Romulus und Remus



Print
Die automatische Übersetzung ist zwangsläufig ungenau. Diese Übersetzung ersetzt nicht die Lektüre der deutschen oder englischen Original-Texte.

Wieder setzen wir mit der Lesung auf der linken Seite ein, wobei wir diese Worte, ebenso wie auf der Vorderseite, als Beschwörung oder Anrufung betrachten. Wie dort, so ist auch hier die Lesung zunächst rechtsläufig und auf der Bodenleiste linksläufig, nun aber nicht spiegelverkehrt, sondern kopfstehend. Damit entspricht sie der Zeilenführung auf der rechten Kästchenplatte. Und so lesen wir den Text, nach Leisten eingeteilt, in Worte getrennt und in Takte (//) gegliedert:

  oÞlæ unneg //
Romwalus and Reumwalus // twoegen
gibroðær
a* // foeddæ hiæ wylif // in Romæcæstri3-Rune

* das a wird letzter Laut des vorhergehenden Wortes, nicht aber Anlaut des folgenden sein, zumal der Schnitzer Wert auf die Rune t-Rune in Verbindung mit g-Rune und f-Rune zu legen scheint: Herrschaft durch Reichtum (Beute) und Gabe (Lohn für die Gefolgsleute).


Der Heimat fern:
Romulus und Remus, zwei Gebrüder,
die Wölfin zog sie auf in der Romburg

Daß die Inschrift sich ganz eindeutig auf das Bild bezieht, ist unstrittig, wenn auch gewöhnlich die Wendung "der Heimat fern" auf die Situation der Zwillinge bezogen und dem Text nachgestellt wird. Doch Alba Longa liegt nicht soweit von Rom entfernt; und die in der Fremde geborenen Säuglinge, Söhne des römischen Kriegsgottes Mars, waren wohl eher von Hunger als von Heimweh geplagt.

Sinnvoller ist es also, an die einleitende magische Formel zu denken. Sie ist aus 9 Runen gebildet, ebenso wie die Wendungen hronæsban (F-Platte) und her fegtaÞ (T-Platte), die sich dort an gleicher Stelle befinden.

Der anschließende Text beginnt in der oberen linken Ecke - also an der besonderen Stelle - mit der Rune r-Rune im Namen Romuwalus. Dieser alliteriert mit Reumwalus und Romæcæstri, bildet aber keinen Stabreimvers, sondern eine zweitaktige Wendung, der weitere folgen. Auffällig ist allerdings die Wahl der Anlaute in der Formulierung "... twoegen gibroðær a* // foeddæ ..." Die Rune t-Rune - Symbol für Herrschaft und Sieg - wird begleitet von den Runen f-Rune - Besitz - und g-Rune - Gabe. Diese Trias findet sich auch im Text der T-Platte (Rückseite) wieder, wo der Schnitzer sogar ein Wort "umlautet" - iuþeas zu giuþeas -, um die gewünschte Formel zu erhalten.

Ungewöhnlich sind die Namensformen Romwalus bzw. Reumwalus. Wenn die Zwillinge, Söhne des Kriegsgottes Mars, hier als Kampfhelfer angerufen werden, wenn ihnen zudem Wölfe als Tiere der Walstatt zugeordnet werden (Ausdruck ihrer kriegerischen Natur), dann kennzeichnet sie der Einschub wal in diesem Sinne: Nordhumbrisch walu bedeutet nämlich "Schlacht, Gemetzel" und im Plural "Leichen". Dazu passen die Wurzelrunen ihrer Bäume (siehe unten), die auf den 'Tod' hindeuten.

r-Rune (rad) steht nun für "Ritt" oder "Reise" und gibt damit das Thema der Seite an.

Die Inschrift schließt mit drei übereinander angeordneten Punktmarken. Wenn nun eine einzelne Marke für die erste Rune (f-Rune) eintritt, dann stehen diese drei für die dritte (T-Rune, Dorn) mit dem ursprünglichen Namen "Thor". Dieser ist ein Sohn Odins, des germanischen Kriegsgottes, nordisches Gegenstück zu Mars, dem römischen Kriegsgott und Vater der Zwillinge hier in unserem Bild.

 

previous: Linke Seite (R-Platte) Linke Seite (R-Platte) Das Bild next: Das Bild

Quelle: http://www.franks-casket.de Page Top Page Top © 2016 email