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Die automatische Übersetzung ist zwangsläufig ungenau. Diese Übersetzung ersetzt nicht die Lektüre der deutschen oder englischen Original-Texte.

Erilaz trifft also eine gute Wahl, wenn er diese dioskurischen Zwillinge unserem Krieger zur Seite stellt, denn die Göttersöhne Romulus und Remus gelten als Helfer auf der Reise und im Kampf. Schließlich nahm ja Romulus nach seiner Apotheose den Platz des sabinischen Kriegsgottes Quirinus ein.

Die Frage nach der Vorlage zu diesem Bild könnten wir mit einem Hinweis auf Benedict Biscops Manuskripte und die Klöster Wearmouth und Jarrow beantworten; doch bleibt auch damit die Frage nach der ikonographischen Tradition ungeklärt. Gewöhnlich sind die Zwillinge als Säuglinge unter die lupa (Wölfin) gesetzt, seltener findet man sie in einer Grotte oder am Tiber, wo sie vom Hirten Faustulus entdeckt werden.

Der Ort ist hier ein Wald. Die dioskurischen Brüder werden so groß wie Erwachsene dargestellt, scheinbar auf dem Kopf stehend und in Begleitung zweier Wölfe statt nur der Wölfin. Rechts und links von ihnen, dieser Szene zugewandt, knien vier Männer.

Es sind offensichtlich keine römischen Hirten mit Krummstäben, sondern mit Speeren bewaffnete und gerüstete germanische Krieger (vielleicht ein Degen mit seinem Gefolge), die hier, im heiligen Hain, dem Ort heidnischen Kults, den Schutz der Dioskuren suchen. Da Kleinkinder wenig hilfreich wären, werden sie als Herangewachsene dargestellt. Und wenn ihnen nun zwei Wölfe zugesellt werden, dann sind es Odins berühmte Begleiter Geri und Freki.

Aber warum greift unser Runenmeister überhaupt auf die römischen Zwillinge zurück? Es gibt zahlreiche andere Brüderpaare mit ähnlichen Qualitäten, so Ibor & Agio bei den Langobarden, Ambri & Assi bei den Vandalen oder, eher klassisch, die Zeussöhne Castor & Pollux bei den Griechen. Tacitus berichtet von den Alcis, Reisehelfer der Narhavalen, die von Priestern im heiligen Hain verehrt wurden, und vergleicht sie mit dem griechischen Brüderpaar.

Hätte er betont christlich erscheinen wollen, dann würde er den ags. Zauberspruch aufgreifen, der den Reisenden... mit Hilfe des Allmächtigen und des Sohnes 'and eac Þæ gebroÞru, Petrus and Paulus' beschützen will. [Natürlich waren sie keine Brüder, und trotz aller christlich anempfohlenen Nächstenliebe hegten sie nicht einmal ein solches Gefühl für einander; aber ihre Namen alliterierten vortrefflich.] - Hätte er betont heidnisch und angelsächsisch sein wollen, dann hätte er Hengist und Horsa, ebenfalls göttlicher Abstammung wie die mythischen Dioskuren, anführen können. Warum entschied er sich nicht für eines jener Paare?

Weil Romulus und Remus (und natürlich Rom) mit R anlauten, und die Rune r-Rune (rad) steht ja für 'Ritt' oder 'Reise'. Somit tragen sie die idealen Namen für ihre Aufgabe. Hätte er dagegen Hengist und Horsa gewählt, dann hätte er damit das Schicksal förmlich herbeizitiert, wie wir noch sehen werden.

Aber warum sind diese Zwillinge, anders als auf jeder möglichen römischen Vorlage, scheinbar auf den Kopf gestellt? Mit Blick auf einige germanische Felszeichnungen namenloser dioskurischer Reise- und Kampfhelfer stellt man fest, daß der Runenmeister damit offensichtlich an eine alte Tradition (z.B. Felszeichnung von Ryland/Tanum) anknüpft. Häufig finden sich neben solchen Ritzungen die Runenformen x-Rune und k-Rune, die symbolhaft für Reise- und Kampfhelfer stehen, für die Zwillinge ebenso wie für die Walküre und für den heiligen Hain. Da sie also mit Begriffen wie Schutz, Schlacht und Sieg verknüpft sind, wurden sie auch in Waffen (z.B. Speerschäfte) geritzt.

Wenn nun die Rune r-Rune den Wert 5 hat (weil sie an 5. Stelle der Runenreihe steht) und die Rune x-Rune den Wert 15 (15. Stelle), dann ist die Summe der drei alliterierenden r-Rune gleich dem von x-Rune, dem Symbol der reise- und kampfhelfenden Wesen. Der dreifache Stab wird zur Zitation dieser Begleiter.

Da nun jedes Detail seine Funktion hat, wollen wir uns nochmals den Bäumen dieser Kultstätte zuwenden. Diese wurden als Teil der belebten Natur betrachtet, und ihre Zweige dienten oft als Orakel. Es erscheint merkwürdig, daß ihre Wurzeln zu sehen sind. Deren Anordnung erinnert an Baum- oder Zweigrunen, an eine Art runischer Geheimschrift.

Das System funktioniert so: Die 24 Zeichen der Runenreihe formen 3 Reihen (ætir) zu je 8 Runen. Bis zu 3 Abzweigungen (Blätter, Zweige oder Wurzeln) zur einen Seite geben das ætt an, bis zu 8 auf der anderen Seite die Rune dieses ætts. In unserem Fall zählen wir ein oder zwei Wurzeln nach links (ætt) und bis zu vier nach rechts (Rune). Eine Wurzel links und zwei nach rechts heißt 1. ætt, 2. Rune (1 / 2), also die u-Rune u-Rune. Und eben das ist das Orakel des ersten Baumes, links im Bild. Die Wurzeln des nächsten Stammes verweisen (mit 2 / 2) auf die n-Rune n-Rune, die der beiden Bäume bei den Wölfen (mit 2 / 3) auf die i-Rune i-Rune, bei dem ersten Krieger rechts (mit 2 / 1) auf die h-Rune h-Rune, und ganz rechts schließlich (mit 1 / 1) auf die f-Rune f-Rune. Doch was soll damit ausgesagt werden?

Offensichtlich ist jedem der vier Krieger der Baum zugeordnet, den er ergriffen hat. Die beiden anderen Stämme stehen in Verbindung mit den Wölfen, den Bestien des Schlachtfeldes. Dabei bezeichnen sie eher das, was von ihnen ausgeht. Die Rune i-Rune, is, (Eis) ist passend, denn sie steht für den Tod, - und den bringen Odins Begleiter, die Wölfe der Walstatt. Dem durch seine Rüstung als Anführer gekennzeichneten Krieger verspricht u-Rune, ur (Auerochse), Kraft und Überlegenheit im Kampf. Damit sind seine Aussichten für den Kriegszug günstig, während sein Begleiter eher Not erdulden muß, wie es n-Rune, nyd, verheißt. Sein Gegenüber ist nicht besser dran, denn h-Rune, hagal (Hagel), zitiert das Schicksal, vielleicht sogar den Tod. Dafür winkt dem letzten Mann das Glück - Beute vielleicht, - denn f-Rune, feoh, steht ja für Geld oder ähnliche Güter.

Zufall oder nicht: Der Wert dieser Runen (u-n-i-i-h-f) beträgt 44, was dem Wert 440 (330 + 110) der 4 magischen Formeln (zu je 9 Runen) auf den 4 Kästchenseiten entspricht. Wir könnten vermuten, daß man der 11 und ihrem mehrfachen -schicksalslenkende Qualität beimaß.

Eventuell lassen sich auch die Zweige oder Blätter auf gleiche Weise lesen; doch das würde zu viel Spekulation erfordern. Schon mit den hier aufgezeigten Ergebnissen haben wir, wenn sie zutreffen, die größte Nähe zum Begriff Baum- oder Zweigrune und ein einmaliges Zeugnis für ihren Gebrauch, - von den Parallelen auf der H-Platte (rechts) abgesehen.

 

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Quelle: http://www.franks-casket.de Page Top Page Top © 2016 email