Home Das Kästchen, ein Kriegerleben?



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Die automatische Übersetzung ist zwangsläufig ungenau. Diese Übersetzung ersetzt nicht die Lektüre der deutschen oder englischen Original-Texte.

Oder: ... eine echte Bilderbuchkarriere!

Stellen wir uns also unseren Helden vor, einen angelsächsischen Than (Lehensmann des Herrschers), am nordhumbrischen Königshof, irgendwann zwischen 650 und 700. König zu der Zeit war entweder Ecgfrid (gest. 685) oder (weniger wahrscheinlich) der fromme und feinsinnige Aldfrid. In dieser Schachtel verwahrt unser Kämpfer seine Schätze, goldene Ringe und Reifen, die er von seinem Herrn erhalten hat, - meist Beutegut, das er (ggf. in Bruchstücken) an seine Gefolgsleute weitergibt. Das ist feohgift, die Ehrengabe an verdiente Krieger der Tafelrunde. Er glaubt, daß die Kraft der Runen und Bilder, der magischen Sprüche und Zahlen, sein Schicksal bestimmt. Er glaubt an Odin und Tyr (ags. Wodan und Tiw), die germanischen Götter, an Walküren und Nornen, an den Lauf von wyrd. Und da er den Gang seines Schicksals beeinflussen möchte, hat er einen (noch) runenkundigen (aber schon abendländisch-christlich gebildeten) Meister beauftragt. Das schließt nicht aus, daß unser Held in dieser Zeit des übergangs auch getaufter Christ war, - gleichsam zwischen Kirche und Tempel hin- und hergerissen.

So entwickelt erilaz, unser Runenmeister, ein Programm, dessen Bilder gleichsam als Embleme für den beschworenen Schicksalslauf seines Schützlings stehen: Da ist zunächst die besondere Geburt in eine besondere Familie (Magierbild), dann die Verbindung mit einer getreuen Gefährtin (Wielandbild). Diese beiden Motive der F-Platte sichern zugleich sein Vermögen, den geldgleichen Besitz, feoh, so wie die f-Rune f-Rune heißt, und den Zugewinn durch Gaben, gifu, wie es in der g-Rune g-Rune zum Ausdruck kommt. Kaum ein Zufall, daß dies auch die stabtragenden Runen des Textes dieser Seite sind, womit die Verbindung von Wort und Bild hergestellt ist. Aber das ist nur der Anfang.

Ist der Hausstand ideell und materiell gesichert, so wird unser Held dem Ruf seines Herrschers zum Kampf folgen. Mit oþlæ unneg, 'der Heimat unnahe', wird der Text zum Bild der römischen Zwillinge auf der R-Platte eingeleitet. Die Dioskuren, Söhne des Mars, gelten als Reisehelfer, ebenso wie andere mythische Zwillingspaare. Der Runenmeister entscheidet sich für sie, denn ihr Name lautet mit 'R' an. r-Rune steht für die Reise, den Weg. So ist es nur folgerichtig, wenn hier Krieger im Heiligen Hain ihren Schutz erflehen. Solche Hilfe soll auch unserem Helden zuteil werden.

Im Kampf möchte unser Krieger siegreich wie Titus sein, Beute machen, dann aber auch Gerechtigkeit üben. Und genau das besagt die t-Rune, t-Rune, und das zeigt auch das Bild der T-Platte. Sieg und Gerechtigkeit machen die Würde des Kriegers aus. Wenn solches Schicksal auch unserem Krieger vergönnt ist, dann hat sein Schicksalslauf ihm mit Ehre und Ruhm das Nachleben gesichert.

Wenn nun wyrd sein Ende bestimmt, dann wird im Kampf sterben, erwählt von seiner Walküre. So zeigt es die H-Platte. Als Schreckenswesen wird die Kampfhelferin ihrem Krieger den Heldentod bringen, um ihn dann, jetzt als liebliche Gefährtin, aus dem Todesschlaf zu erlösen. Das spiegeln auch die stabtragenden Buchstaben wider, wenn sie von der h-Rune h-Rune (Unglück) zur s-Rune s-Rune (Licht, Leben) wechseln. Die Niederlage wird zum Triumph.

Wenn das Deckelbild den Schluß des Programms bildet, dann geht es hier um dieses Nachleben, dann versetzt uns die Szene nach Walhalla. Was jenem Bogenschützen aus einer verschollenen Sage vergönnt war, das sucht unser Runenmeister seinem Schützling zu sichern.

Die sechs Bilder zeigen also Szenen aus Sage und Mythologie, die emblematisch für den solcherart beschworenen Schicksalslauf unseres Helden stehen. Daß mit der Bilderfolge eine magische Absicht verbunden ist, läßt sich durch die Untersuchung der runen- und zahlenmagischen Praktiken belegen, die hier auf unvergleichbar hohem Niveau entfaltet werden.

 

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